Participación Ciudadana
Am Mittwoch war ich mit Juan auf einer Bürgerversammlung in Cerro Navia. Ich war sehr überrascht wie geordnet das alles abgelaufen ist. Natürlich fing die Versammlung nicht wie angekündigt um 18h an, sondern erst um 19 h, aber der Rest war erstaunlich strukturiert. Als erstes hat die "Bürgermeisterin" den Bürgern mit Mikrophon Rede und Antwort gestanden. Die meisten waren ziemlich aufgebracht und haben versucht sich mit Handzeichen und "Senora, Senora!" auf sich aufmerksam zu machen.Danach wurden Kommissionen gebildet. Jeder konnte sich zu einer Kommission dazugesellen, an dessen Thema er am Meisten interessiert war. Die Mütter haben sich beispielsweise alle der "Educación" (Ausbildung) angeschlossen. Außerdem gab es noch Gruppen, die sich mit folgenden Themen beschäftigt haben: Sicherheit, Stadtentwicklung, "Desarollo productivo" (Interessen der Mikrounternehmer), Gesundheit und soziale Entwicklung. Des weiteren gab es eine Gruppe bestehend aus Kindern, die auch ihre Wünsche für die Zukunft des Stadtteils zu Papier gebracht haben. In jeder Gruppe gab es nämlich eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung, die alle Dinge notiert hat.
Während der Diskussion wurden Probleme erörtert und Lösungen erarbeitet. Dazu brachten einige Frauen dann einen Kaffee (natürlich stark gesüßt, so wie es die Chilenen lieben) und "Sopaipillas" (eine Art Brötchen, das fritiert und warm gegessen wird). Zum Schluß musste ein Kommissionsleiter bestimmt werden, der dann die Ergebnisse vor allen vorstellen musste.Ich bin da natürlich ziemlich aufgefallen. Auch , weil ich mit meiner Riesen-Digitalkamera dauernd Fotos gemacht habe. Aber waren ja für die Zeitung...
Juan hat mich auch ganz stolz dauernd irgendwelchen Leuten als "Directora Honoraria" (Ehren-Gastautorin) des "Peon" vorgestellt. Er war der Kommissionsleiter unserer Gruppe und als er dann alle Teilnehmer unserer Gruppe vorgelesen hatte, mussten alle bei der Aussprache meines Nachnamens lachen - ist für die Chilenen auch echt nicht einfach ;)
Die Probleme in den Stadtviertel sind eigentlich die gleichen, wie in Problemvierteln der Städte in Deutschland. Es gibt viel Gewalt in den Familien, Drogenprobleme, die Polizei kümmert sich nicht genug um Ordnung (macht zu wenig Patrouillen) und es fehlt an Räumen für soziale Aktivitäten usw.
Speziell die Jugendlichen wünschen sich einen Ort, wo sie Musik mit ihren Bands machen können, mehr Sportangebote und Beschäftigungsmöglichkeiten. Die Mütter haben sich beklagt, dass es nach der Schule zwischen 15.30 und 17h keine Beschäftigung für ihre Kinder gibt. Da einige berufstätig sind, hängen die Kinder dann auf der Straße herum und die Eltern machen sich Sorgen, dass die Kinder da schnell in die falschen Kreise gelangen können. Außerdem wünschen sich die Bewohner Cerro Navias Angebote im Bereich PC-Nachhilfe und eine Art "Volkshochschule" mit verschiedenen Kursangeboten. Die Kinder wünschen sich, daß die Bibliothek kostenlos besuchbar ist, daß sie die PC´s in der Schule frei benutzen dürfen und dass es in der Cafeteria Saft verkauft wird. (sehr niedlich)
Außerdem wollen sie mehr Lehrer, die effektiver arbeiten, ein Zentrum mit Beratungsangeboten bei Drogenproblemen und mehr Freizeitangebote für alle.
Sie sagen, dass die Jugendlichen sehr gerne etwas unternehmen möchten (Theater, Musik, Artistik) , anstatt auf der Straße abzuhängen, aber dass einfach ein Ort zum Treffen fehlt.
Es war jedenfalls sehr interessant zu sehen, wie so etwas abläuft und ich war echt über die große Beteiligung erstaunt. Da ist man von Deutschland echt anderes gewöhnt...

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