Donnerstag, Juni 22, 2006

Wirklich ein studienbezogenes Praxissemester!

Montag nach der Arbeit hab ich mich das erste Mal mit Juan getroffen. (Der Bekannte von Janine, Peruaner, etwa 50 Jahre alt, hat schon mal ne Weile ein Deutschland gelebt)
Er hatte mich ja gefragt, ob ich ihm ein bisschen Deutsch-Nachhilfe geben könnte, weil er nächstes Jahr wieder mal nach Deutschland reisen möchte, um dort Druckermaschinen zu kaufen. - So ganz verstanden hab ich das noch nicht, aber er arbeitet selbstständig in diesem Bereich.
Beim Treffen ging es aber um etwas ganz anderes: Juan wohnt ja im ärmsten Stadtteil von Santiago in Cerro Navía. Dort gibt es nicht mal geteerte Straßen oder Straßenlaternen oder so. Die Stadtverwaltung hat für das nächste Jahr umgerechnet etwa 50.000 Euro zur Verfügung gestellt, mit denen die Bürger Cerro Navías entscheiden können, was mit dem Geld gemacht werden soll. Einige möchten Straßenlaternen, andere möchten einen Spielplatz für die Kinder usw.
Nun hat Juan, weil er in dem Bürger-Ausschuß ist, beschlossen eine Zeitung zu diesem Thema zu machen. Und er hat mich gefragt, ob ich einen Artikel schreiben würde. Es wäre ihm und den Bewohnern Cerro Navías eine Ehre, denn Europäer leben dort nicht und die, die in Las Condes und Providencia wohnen, interessiert es einen Dreck, was in dem Stadtteil passiert.
Marlis meinte auch: "Du gehst da doch wohl nicht abends hin, um ihn zu unterrichten?! Das ist gefährlich!"Das werde ich natürlich auch nicht machen... denn als Europäerin fällt man hier einfach auf und gerade ärmere Leute denken: Europäer= reich= hat viele Wertsachen mit= Überfallgefahr groß!
Aber ich werde Juan zu einer Stadtverwaltungssitzung begleiten, um mir das einmal anzusehen. Aber da bin ich dann auch nicht allein. (Obwohl Juan mir etwa mit dem Kopf bis zu den Schultern geht...)
Die Zeitung soll "EL PEON" heissen. Bedeutung: der Bauer im Schachspiel= kleinste Figur, rückt immer nur vorwärts, kann manchmal mehr wert sein als die Dame usw. (=Bewohner von Cerro Navía)
Das Thema konnte ich frei wählen und nun habe ich mich entschlossen etwas zu schreiben, was die Bewohner motiviert sich dort zu engagieren und mitzuentscheiden, weil es die erste Ausgabe sein wird. Juan war total begeistert, dass ich da mitmachen möchte. Nun hoffe ich mal, dass ich seinen Erwartungen entsprechen kann! Uii!

Dienstag nach der Arbeit hab ich mich mit Linda und Tobias getroffen und wir haben Bustickets für unseren Wochenendtrip nach La Serena gekauft. Die Fahrt wird diesmal "nur" 7 h dauern und es geht in den Norden. Auf dem Busterminal hat uns ein Amerikaner angesprochen, der in Santiago ein Hostel hat und meinte: "Braucht ihr Tipps zum Reisen? Ich weiss alles- fragt mich einfach! Und ich kann Euch Prozente bei den Busunternehmen besorgen!" Wir waren schon etwas skeptisch, weil wenn einer solche Angebote macht, dann will er ja auch meistens was dafür. Aber dem war nicht so. Nachdem er sich mit uns in die Schlange gestellt hat und uns den Rabatt besorgt hat, sagte er nur: "Dann viel Spass und gute Reise!" Unglaublich!

Neues von der Arbeit: mein Kuhglocken-Projekt ist quasi fertig. Gestern ist noch ein externer Designer gekommen, mit dem ich einige Verbesserungen erarbeitet habe. Erste Entwürfe erhalte ich morgen. Ansonsten bin ich gerade dabei ein Kommunikations-Konzept für die Stocker Group zu entwerfen. Da kann ich mir auch sicher sein, dass es umgesetzt wird... nicht so wie in der FH. Also ich lerne ziemlich viel. Im Moment gefällt mir alles ganz gut! Kann mich nicht beklagen.

Das Tippspiel hat auch kleinere Wunder bewirkt... Es wird viel mehr gesprochen und ich finde, dass die Stimmung im Büro schon lockerer geworden ist.
Im August werden wir wohl noch mal einen Betriebsausflug in die Anden zum Skifahren machen! Das wird was werden... das erste mal Skifahren!!