Pucón - ein Wochenende des Adrenalins
Donnerstag Abend sind Janine und ich mit Pullman gegen 21.15h in Richtung Pucón gestartet. Da und angekündigt wurde, dass es im Bus ein "Cena= Abendessen" gibt, hatte ich vorher auch nichts gegessen. Naja, als wir dann eine kleine Tüte Erdnüsse und Chips und einen Becher Brause in der Hand hielten, staunten wir doch nicht schlecht!! Naja, für ein Kind wäre es das beste Essen überhaupt gewesen... Die Busse waren relativ gemütlich, man konnte den Sitz ziemlich weit nach hinten stellen und vorne ein Beinteil herunterklappen. Waagerecht hat man trotzdem nicht gelegen. Die Decken wurden bestimmt seit 10 Jahren nicht gewaschen- dementsprechend müffelten sie auch. (Auf dem Rückweg hatten wir aber einen super-neuen Bus und keine Probleme)
Schon morgens, als wir gegen 8.30 h in Pucón ankamen, empfing uns die Sonne. Da wir so früh dran waren, war in dem von der Ex-Mitpraktin empfohlenen Hostel "L école" zunächst noch kein Zimmer frei. Daher haben wir erstmal ausgiebig gefrühstückt und gewartet. Das hat sich auch ausgezahlt, denn nachher gegen 10.30h konnten wir unser Zimmer beziehen. Das Hostel war super gemütlich, hatte ein eigenes vegatarisches Restaurant dabei. Das Essen war super lecker und nahrhaft (selbstgebackenes Brot, frischgepresster Saft...), was man bei den Aktivitäten vor Ort auch zu sich nehmen muss.
Pucón ist eine reine Touristen-Stadt, die sich auf Adventure-Sport-Touristen ausgerichtet hat. Sie liegt im mittleren Süden von Chile an einem See. Im Hintergrund gibt es mehrere aktive Vulkane, ganz nah liegt der Vulkan Villarica- mit dem letzten Ausbruch 1983. Dann gibt es noch viele Naturparks zm Raften, Canopeing, Klettern, Mountainbiken, Wandern, Baden usw.
Wir hatten uns entschieden am Freitag einen 4 h-Ausflug mit dem Pferd zu unternehmen, um so die Landschaft ein wenig zu begutachten. Das hat auch wirklich Spaß gemacht, aber ein wenig mulmig war mir schon... zumal mein letztes Erlebnis auf einem Pferd nicht so gut ausging und ich mir den Arm gebrochen hatte. Wir sind dann mit dem Chilenen Miguel und seinen Pferden ausgeritten. Der hatte die Pferde wirklich im Griff und konnte so reiten wie ein Cowboy. Er hatte die Zügel nur locker in der Hand und hat das Pferd hauptsächlich durch die Beinmuskeln gelenkt. Nachher zum Ende hin wurde ich auch immer sicherer. Einmal ist mir das Pferd allerdings durchgegangen- das war nicht so witzig! Da ging mir vielleicht die Pumpe... aber Miguel hatte mich schnell eingeholt... Wir sind durch ziemlich tiefe, schnell fliessende Flüsse geritten, durch den Wald, am Fluss entlang usw. Miguel hat uns dann etwas über die Mapuche-Indianer erzählt und uns Beeren gepflückt, die wirklich superlecker waren. Die hab ich noch nie vorher gegessen. Habe leider wieder den Namen vergessen. Ich hätte die nie angerührt, weil die wie Vogelbeeren aussahen. Das erste Schmerz-Empfinden kam dann bei Abstieg vom Pferd- wir sind wie John Wayne gelaufen...
Kurz vor der Horse-Riding-Tour hatten wir uns entschieden am Samstag den Vulkan zu besteigen... Tja, hätten wir gewusst, wie kaputt wir schon nach dem Reiten waren... Aber es kommt noch schlimmer... hehe... (mittlerweile kann ich drüber lachen...)
Am Samstag mussten wir dann um 6.30 h aufstehen. Um 7h haben wir uns beim Veranstalter mit den anderen "Mutigen" getroffen, die Bergsteiger-Klamotten angezogen und uns zum Vulkan fahren lassen. Ich weiss nicht, was in uns gefahren ist... Als wir dann unten am Fuß standen und hinauf blickten, ahnten wir immer noch nicht so ganz, was da auf uns zukommen würde... Schon allein die Fahrt mit dem Lift war für mich die reinste Horror-Tour! Ich und Höhe... wer mich kennt, weiß das ich das gar nicht abkann. Es gab bei diesem nennen wir es mal "antiken" Lift weder einen Gurt, noch eine Stange oder sonstwas zum Sichern. Daher krallte ich mich an der linken Stange fest und hatte mir immer im Mantra vorgesagt: "Alles ist gut. Das Ding hält. Gleich sind wir da....Angst ist nur ein Gefühl." und steif nach oben zum Vulkan geguckt. Jedesmal, wenn wir an einem Pfeiler vorbeikamen, schwankte dieser Lift... Grausam!! Wenn ich mich alleine in dieses Ding hätte setzen müssen- ich hätte es nicht gemacht!! Tja, oben angekommen, dachte ich, ich hätte das schlimmste schon überstanden! Aber weit gefehlt...
Es kam noch viel Schlimmer. Schon nach der ersten Viertelstunde merkte ich, dass meine Kondition dafür überhaupt nicht ausreicht. Ich war schon ordentlich am Stöhnen und Schwitzen und musste alle paar Schritte eine Pause machen. Dieser blöde Weg war permanent steil und die Truppe von "Super-tollen-Sportlern" sowas von schnell, dass ich schon echt Hass-Gefühle bekommen habe. Unser Guide hat eigentlich nur die ganze Zeit den folgenden Satz gesagt: "Vamos chicas! Solamente cinco minutos pausa." Die anderen beiden Mädels aus unserer "langsamen" Truppe waren schon langsam sauer, weil wir so lahmarschig waren und sie unbedingt bis zur Spitze wollten. (Dabei hatte die eine vorher einen Heulkrampf gekriegt, weil sie Schiß hatte abzustürzen...) Nach der Hälfte konnte ich echt nicht mehr. Mir war schlecht, mein Herz raste, meine Hände zitterten und die Beine waren wir Pudding! Was nun!? Ich entschied mich , mich nocheinmal aufzuraffen und es bis zum nächsten Erholungspunkt zu schaffen. Das klappte auch, wenn nur mit Mühe und Not.
Ein Glück schien die Sonne und es gab keine Wolken, so dass ich mit Janine auf die Truppe warten konnte, bis sie uns wieder aufgabelten. Tja- das ganze Warten dauerte aber 3 Stunden und nachher wurde es echt kalt. Der Ausblick war zwar super, es war totenstill, aber für kein Geld der Welt klettere ich nochmal auf diesen dämlichen Vulkan! Es war übrigens eine sehr gute Entscheidung zu warten, denn im Krater selbst konnte man zur Zeit kein Magma sehen und es war arschkalt da oben.
Zurück mussten wir auf dem Hintern runterrutschen- unser "Hackebeil" diente als Bremse... was nicht so gut klappte. Ich hatte echt Speed drauf und hab mich dann auch noch ein paarmal überschlagen... Man hat auch nie gesehen, was hinter dem Abgrund kam - das war alles nichts für meine Nerven!! Zumal der Guide dann noch sagte: "So, bei dieser Rutsche müsste ihr am Ende wirklich stark bremsen-nach 10 m kommt der Abgrund!" Super! Wieder Adrenalin pur... - mir reichte es langsam. Janine ist dann bei der Rutscherei auch noch gegen einen Felsen geprallt. Ein Glück war aber nichts passiert. Auf wackligen Beinen begaben wir uns schnellstmöglichst nach unten. Ich war so froh, als ich endlich wieder unten angekommen war - das war wie Weihnachten und Geburtstag zusammen...
Ein Horrortrip dieser Vulkan! Der Guide war auch echt ätzend! Statt mal zu fragen, wie es mir geht, ob er mir helfen kann usw. hat er sich die ganze Zeit nur um seine "wunderschönste Frau der Welt" Paulina aus Brasilien gekümmert!! Arschloch! Ich war echt sauer! Der hätte mich auch allein da oben warten lassen- echt unverantwortlich! Und die in der Reiseagentur sind auch reinste Geldabzocker: ich hatte im Büro nämlich noch gefragt, ob es eine Person schaffen kann, die nicht so gute Kondition hat... "Na, klar!! Kein Problem!!" - vielen Dank im Nachhinein... Abends ging dann gar nichts mehr. Mein Körper war echt am Ende...
Und was auch nervig war: (sorry, Hans, aber ich muss jetzt mal lästern) die Amerikaner gingen uns sowas von auf die Nerven! Das ganze Hostel war voll davon und alle haben immer nur gesagt: " Yeahhh! We did that! Thaaaat was fun!" Ich konnte es nicht mehr hören... Alles war fun- sogar Pizzaessen im Restaurant! Hilfee! Und wenn man dann gesagt hat, dass man die Vulkan-Tour scheiße fand, dann blickte man in entsetzte Gesichter! - "I couldn't understand why they took the brakes! I just threw my hands in the air and flew down! Wow! That was fun....!!" wüürrg!! Und dann dieses amerikanische Spanisch! Schrecklich! Geht gar nicht.
Die Sportskanonen haben sich am Sonntag natürlich Mountain-Bikes ausgeliehen und sind die steilen Hänge hinauf zum Wasserfall gefahren...
Wir haben uns am Sonntag einen Relax-Tag gegönnt. In den Natur-Thermen "Las Pozones". Heisse Bäder 37° und 45° Celsius. Das war angenehm für die geschundenen Muskeln. Da konnte man mal so richtig relaxen. Dann haben wir noch den Tag im Hostel ausklingen lassen und heute morgen gegen 8 h bin ich dann in die Wohnung gekommen, hab kurz meine Sachen ausgepackt, bin unter die Dusche gesprungen und zur Arbeit gefahren. Wobei ich natürlich alles andere als fit war... Aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt. War ein schönes, ereignisreiches Wochenende!

2 Comments:
Also Astrid, musst Du denn schon wieder eine Breitseite gegen meine "Fellow Americans" schiessen :-)?? Sie sind vielleicht manchmal etwas einfach gestrickt, aber wenigstens koennen sie sich noch so richtig ueber alles freuen, sogar uebers Pizzaessen! (Diese Eigenschaft ist vielen Deutschen leider abhanden gekommen, da wird eben nur noch geklagt, wenn auch auf hohem Niveau...) Aber Spass beiseite, wenigstens war lediglich alles "Great", und sie haben Dich nicht mit einer der schrecklichsten aller amerikanischen Spracheigenheiten genervt, dem beruehmten Fuellwort 'like': "Well, and after dinner, it was like 10pm, we went to this, like, party with all these people that were, like, a bit a strange, so we left again and went to this, like, really beautiful beach where everyone was, like, so happy...." and on it goes....:-)
Also, Du bist noch mal glimpflich davon gekommen!!
Viele Gruesse aus NY,
Hans-Juergen
Hallo schwesterherz!!
nun auch mal wieder ein kommentar von mir. nicht zuletzt aus tiefstem entsetzen, das meine aus-tiefster-seele-pferdeverabscheuende-beauty-traumatisierte schwester ihren hintern in einen cowboysattel schwingt. meine kinnlade schlurft neben meinen füssen.
ich erinnere: "anna, geh duschen, du stinkst abartig".
hahahahahahahah!!!
is ja krass....
ich plage mich zeitlich sehr kraftintensiv mit dem studium der mittelhochdeutschen sprache. THAT IS FUN!!!!
also- lass bald mal wieder hören!
mein internet funzt wieder.
kisses from anneliese
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