Isla Negra und Michelle Bachelet
Sitze nun wieder frisch am Montag Morgen bei der Arbeit. Freitag Abend hab ich mich ne Weile mit der neuen Mitbewohnerin unterhalten. Ist echt gut, dass sie bei uns eingezogen ist, denn sie kann kein Englisch und so bin ich gezwungen Spanisch zu sprechen. Das bringt dann auch mal was. Dann hatte ich mir Nudeln mit Tomatensosse gemacht- das ist hier fuer mich schon fast ein Festessen, denn das Essen kann man hier echt vergessen... Die koennen nicht kochen. Alles ohne Geschmack.
Samstag morgen gegen 11 h sind Janine und ich mit dem Bus nach Isla Negra gefahren. Das ist keine Insel, sondern ein kleines Dorf suedlich von Valparaíso. Dort steht das Lieblingshaus von Pablo Neruda. Leider war dieses Haus sehr kommerziell aufgemacht. Das war schon echt ein Museum. Schade, denn bei den anderen Haeusern kam es einem noch so vor, als wenn er gerade eben noch darin gewohnt haette.
Trotzdem war es sehr schoen in Isla Negra. Wir hatten Glueck mit dem Wetter: die Sonne schien und es gab ein bisschen Wind. So konnte man es gut dort aushalten. Nachdem wir das Haus besichtigt haben, haben wir uns ein Eis gekauft und uns an den Strand gesetzt. Mir gefiel er besonders gut, weil es viele Felsen gab (im Wasser und auf dem Strand selbst). Daher habe ich auch sehr viele Fotos davon gemacht... Interessant war auch: es gibt dort sehr merkwuerdige Algen. Die liegen dort ueberall herum und sehen aus wie Kraken. Dicke, lange, dunkelbraune Krakenarme. Und das Witzige ist: ich hab die schonmal gebuendelt in einem Laden gesehen und da dachte ich, es waeren irgendwelche getrocknete Rinderhaeute fuer die Hunde zum Kauen! Haha! - Also sind es Algen. Aber was die damit machen- keine Ahnung!
Zum Abschluss des Tages wollten wir dann noch etwas Essen gehen. Leider war es wieder ein Reinfall. Gekochtes Haehnchen mit einer faden Sosse und einem gemischten Salat ohne Geschmack. Da kann man sich echt aergern. Und fuer chilenische Verhaeltnisse nicht billig.
Nachts wurde ich gegen halb fuenf von unserem Nachbarn geweckt, die dann erstmal in ihrer Wohnung eine lautstarke Party gefeiert haben. - Sehr schoen!
Da am Samstag der Typ von VTR (dem Kabelanbieter) da war, konnte ich Sonntag das erste Mal von zu Hause ins Internet. Juhu! - (Dachte ich! Aber nichts hat funktioniert...) Ein Glueck hat Andrea auf Spanisch alles mit der Kunden-Hotline geregelt, so dass es dann losgehen konnte.
Gegen 18 h bin ich mit Alana (der Amerikanerin) in einem Micro-Bus in die Stadt gefahren. Das ist echt sowas von gefaehrlich mit diesen Bussen. Die fahren wie die Henker! Du steigst ein und dann fahren sie auch schon los. Du musst dich festhalten und gleichzeitig im Portemonnaie nach Geld suchen und bezahlen. Natuerlich ist die Tuer die ganze Zeit waehrend der Fahrt offen. Ich habe echt gedacht: wenn der Typ jetzt bremsen muss, dann fliegst du aus dem Bus! Auf dem Rueckweg mussten wir aus dem Bus foermlich rausspringen, weil er nie ganz anhaelt! Das ist ein Abenteuer! das sind auch so ganz alte, klapprige Teile!
Wir haben dann Janine abgeholt und sind auf die wichtigste Strasse, die Alameda, gelaufen. Dort gab es ein grosses Begruessungsfest fuer die neue Praesidentin Michelle Bachelet. Wie ich es mir schon gedacht hatte, waren die Chilenen total aus dem Haeusschen. Die haben die ganze Zeit wie wild mit Fahnen gewedelt und hatten Schaerpen mit den Nationalfarben (blau, rot, weiss) um. Besonders die Frauen waren ganz stolz.
Tja, wenn ich da an Deutschland denke: da gab es kein Fest fuer Angie... und wenn man mit Deutschlandfahnen weht, hat das irgendwie auch einen merkwuerdigen Beigeschmack, finde ich. Ausser bei der Fussball-WM. Hier haengen uebrigens auch Plakate fuer die Fussball-WM aus: !Disfruta la Copa Mundial! (Geniesse die Fussball-WM)
Auf dem Fest traten viele nationale Stars auf, eine Saengern wurde ausgebuht (warum auch immer), die Nationalhymne wurde lautstark von allen gegroehlt (mit Faeusten in der Luft- die Chilenen lieben ihr Land) und Michelle Bachelet hat immer wieder ins Publikum gewunken. Wir konnten das auf einer Video-Leinwand sehen. Als sie dann gegen 21h zu ihrem Volk sprach, waren alle ausser Rand und Band. Ich konnte eigentlich alles, was sie gesagt hat, gut verstehen, weil sie langsam und sehr klar gesprochen hat. Das war ein Erfolgserlebnis!
Was merkwuerdig ist: man kann kein Bier auf solchen festen kaufen. Alkohol in der Oeffentlichkeit zu trinken ist hier verpoehnt. Gar nichts auszudenken in Deutschland - Kieler Woche, Husumer Hafentage usw. ohne Bier oder Aehnlichem? Und es gibt keine Essensstaende. Es laufen immer wieder Leute mit selbstgemachten Sandwiches oder mit diesen widerlich suessen Keksen durch die Menge. Die haben natuerlich keine Lizenzen. Das braucht man hier auch nicht. Aber ich hab da lieber nichts von genommen... Janine hat sich bei einem Stand einen "Completo" gekauft. Das ist ein HotDog mit viel Avocadocreme und Mayonese... Sehr fettig und auch nicht so mein Fall.
Heute hab ich schon wieder einen neuen Auftrag vom Chef per E-mail bekommen. Ich soll wieder einen Vorschlag fuer den Aufbau einer Internetseite eines Schweizer Pharmaherstellers schreiben. Das Layout haben wir schon letzte Woche entwickelt. Nun muss noch alles schriftlich festgehalten werden. Und das ganze noch heute. Also, dann mal ran an die Arbeit...

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