Das Praktikum und der Ausflug nach Pomaire
So, nun hat das Praktikum begonnen. Seit gestern arbeite ich nun bei der Stockergroup und zwar von 9 bis 18 Uhr. Im Moment habe ich noch nicht soviel zu tun, weil die General Managerin noch keine Zeit hatte mit mir mein Projekt zu besprechen. Also surfe ich im Internet und recherchiere ein wenig. Ich soll eine Homepage fuer einen Schweizer Kuhglocken-Hersteller erstellen bzw. verbessern. Schon sehr lustig. Ich sitze hier in Chile und mache dann ein Kuhglocken-Projekt! Finde ich aber sehr gut, dass ich das Projekt ganz selbstaendig bearbeiten darf und das mein erstes Projekt auf Deutsch und Englisch zu bearbeiten ist.
Mit dem Spanisch ist das so eine Sache... Als gestern mein Telefon bei der Stockergroup klingelte, hatte ich doch ein wenig Panik, weil ich gar nicht wusste, was ich sagen sollte und ob ich die ueberhaupt verstehe. Heute geht es schon einigermassen...aber ich bin trotzdem froh, wenn das Telefon nicht klingelt.
Hier arbeiten doch nicht soviele Leute, wie ich dachte bzw. wie auf der Homepage gezeigt werden. Im Moment sitze ich mit vier weiteren Personen in einem Raum: zwei weitere Praktikanten (eine Franzoesin und ein Chilene, beide 24), ein IT-Programmierer und eine Journalistin.
Die Stockergroup gehoert zu der Unternehmensberatungsfirma FUNDES, die in Lateinamerika taetig ist. Gruender ist der Schweizer Stephan Schmidheiny. Er hat verschiedene Organisationen ins Leben gerufen, die sich sozial in Lateinamerika engagieren. Ihm ist es wichtig, dass Unternehmen auch soziale Verantwortung uebernehmen, dass heisst ein Teil ihrer Unternehmensgewinne sozial einsetzen. (Bildung, Umwelt...)
Die Stockergroup hat viele interessante Kunden, fuer die sie Publikationen erstellen, das Intranet (Knowledge Management) aufbauen und Internetseiten kreiren. Unter anderem die Weltbank, die schweizer Regierung, die amerikanische Regierung und dann die Unternehmen von Stephan Schmidheiny.
Meine Wohnung ist soweit auch ganz ok. Alana, die Amerikanerin (26), arbeitet tagsueber in einer privaten Sprachschule als Englischlehrerin. Das einzige, was mich stoert ist, dass ihre drei Katzen durch die ganze Wohnung laufen (sogar auf dem Tisch usw.). Nicht so lecker... Naja, meine Zimmertuer mache ich zu. Es ist schon echt erstaunlich, was man hier so ueber Kabel-Tv empfangen kann. Bestimmt 100 Kanaele: viele Cine-Sender, Serien-Sender usw. (auch aus den USA). Sogar Deutsche Welle TV! Gestern Abend haben wir uns zusammen deutsche Nachrichten angesehen und Alana hat versucht deutsche Woerter nachzusprechen. Klappte zwar nicht so gut, aber war ganz lustig. Dabei ist mir aufgefallen, wie viele Woerter wir aus dem Englischen uebernommen haben. (z.B. fit, Training, Team-Manager, Power...)
Alana bekommt viele amerikananische Zeitschriften von ihren Verwandten geschickt. Das ist sehr interessant darin zu lesen- besonders sich die Werbeanzeigen fuer Essen anzusehen. Die Amis essen echt viel Fast-Food. Kein Wunder, dass viele Leute so fett sind... Alana kann selber auch gar nicht kochen. Sie laesst sich immer von ihrer Mutter aus den USA solche Fertigtueten-Gerichte schicken. Die Arme- da werd ich ihr erstmal zeigen, wie man kocht. Das Gute ist: in der Naehe der Wohnung gibt es einen groesseren Supermarkt, wo man echt alles bekommen kann. (Sogar Nutella, aber das hol ich mir lieber nicht...) Die Chilenen essen lieber Weissbrot, als Vollkornbrot und das Interessante ist, dass es trotzdem Vollkornbrote zu kaufen gibt. Aber die werden dann von deutschen Fabrikanten hergestellt, die sich hier niedergelassen haben. Der deutsche Einfluss ist hier doch sehr gross. Apfelstrudel und Kuchen sind hier ein bekannter Begriff.
Am Dienstag, meinem letzten freien Tag, bin ich mit meiner chilenischen Gastmama Lidia und der Japanerin Missami (wohnt jetzt bis Samstag bei denen) nach Pomaire gefahren. Das ist ein kleines Dorf in der Naehe von Santiago, dass von Toepferprodukten lebt. Da wir in der Woche da waren, gab es ein Glueck auch nicht soviele Touristen dort. Ich hab mir da eine kleine Schale bei einem kleinen Stand fuer umgerechnet 0.20 EUR gekauft. Lidia hat dann den Mann gefragt, ob wir mal sehen koennten, wie die Sachen hergestellt werden. Kein Problem, meinte er. Also sind wir nach dem Mittagessen dorthin gelaufen. Die ganze Familie lebt vom Toepfergeschaeft. Sie wohnen in kleinen Huetten auf engem Raum zusammen. Die waren echt super freundlich und wir durften ein paar Fotos machen. Als Missami ein geschossenes Foto ihrer Digitalkamera der alten Frau zeigte, war diese total erschrocken! Das kannten die gar nicht mit den Digitalkameras. Sehr lustig! ;)
Mittags haben wir in einem kleinen chilenischen Restaurant gegessen. Da waren auch wieder alle Familienmitglieder in die Arbeit eingespannt. Der kleine Sohn, bestimmt erst 11 Jahre alt, war der Garcon mit weissem Hemd und Fliege. Der hat sich dann auch echt ueber das Trinkgeld gefreut. Weil er so zuvorkommend war, haben wir ihm ein bisschen mehr als ueblich gegeben. Ich habe da ein typisch-chilenisches Gericht probiert "Pastel de Choclo". Das ist ein Auflauf bestehend aus Hack, Haehnchenkeule, Ei und mit Maisbrei ueberbacken. Also war ganz ok, aber Sterne bekommt die chilenische Kueche nicht von mir verliehen...
Jeden Morgen muss ich ja mit der Metro zur Arbeit fahren. Was hier echt nervig ist: die Metro ist so ueberfuellt, dass ich heute zwei Metros abfahren lassen musste, weil keine Person mehr in den Wagon passte. Das Gute ist: man bekommt immer eine kostenlose Zeitung in die Hand gedrueckt- so vergeht die Zeit dann ein wenig.

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